Monat 5 – Brasilien

Hallo zusammen,

da sind wir nun bereits im 3. Land angekommen, das ursprünglich nicht auf unserer Liste stand, Brasilien. Entgegen unseren Absichten uns zeitnah wieder auf die Räder zu schwingen, nachdem wir 2 Monate mehr auf Wasser als auf Land verbracht haben, hausen wir immernoch auf dem Boot – Danke für das Asyl, Michael! Durchfall bei Mathias und Blasenentzündung bei mir bremsten uns etwas aus, aber nun soll es endlich losgehen. Richtung Amazonas…

IMG_1310 Das ist im Botanischen Garten in Joao Pessoa – Urwald für Einsteiger

Es sei noch erwähnt, dass uns die Menschen hier sehr freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit begegnen. Und im Gesundheitszentrum bekam ich nicht nur kostenlos Antibiotika, weil dies irgendwoher finanziert wird, sondern wurde auch sofort dran genommen. Und trotz, dass ich kein Portugiesisch kann und nur ein paar Sätze auf einem Zettel dabei hatte, die ich vorher mittels Google Translator und Sprachführer übersetzt hatte, unterhielt man sich mit mir und versuchte das wichtigste mittels Händen und Füssen klar zu machen.

Zur Atlantiküberquerung, die in unserem Fall 2 Wochen betrug, ein paar Eindrücke:

Drei Worte, die mir in den Sinn kommen:
Salz – es ist und klebt überall
7 Tage – egal welchen Tag wir haben, die GPS-gestützte Prognose bis zur Ankunft beträgt 7 Tage, Tag für Tag für Tag für…
fliegender Fisch – lebend schön anzuschaun, tot auch und zahlreich an Deck zu finden – die scheinen eine Unterart der Lemminge zu sein…

Nachdem ich auf den Kapverden einem Fischer über die Schultern geschaut hatte, nahm ich an Bord unseren einzigen erfolgreichen Fischfang aus. Ging gut und Fisch war lecker (er gab unser Festessen am 2. Weihnachtsfeiertag). Wir konnten ihn nicht eindeutig bestimmen und haben ihn Fred getauft.

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Weihnachten… Irgendwie scheine ich doch an Traditionen zu hängen. Zumindest machte ich am Heilig Abend Kartoffelsalat mit Würstchen, wir sangen Weihnachtslieder und die anderen machten mit, als ich sie in unseren Familienbrauch „Dunkle Stube“ einführte. Danke dafür.
Silvester warteten wir müde auf Mitternacht, um in Pappbötchen einen Knaller und drei Kerzen ins Wasser zu lassen.
Äquatortaufe. Am 31.12. überquerten wir den Äquator, stellten es etwa 2 Stunden später fest, kümmerten uns nicht weiter drum, bis Neptun uns aus dem Nachtmittagsschlummer riss und mit Wasser aus dem Süden vom Dreck des Nordens reinigte – auch der Skipper kam nicht drumrum. Nach tagelanger Duschabszinenz tat das unverschämt gut – vor allem das anschliessende Abspülen mit Süsswasser. Der überstürzte Aufbruch aus Praia hatte dazu geführt, dass wir die Süsswassertanks nicht auffüllen konnten und dafür alles Flaschen- und Kanister-Trinkwasser, das wir kriegen konnten, aufkauften. Um so mehr bemühten wir uns um sparsamen Umgang mit selbigem, was uns auch gelang. Das Geschirr wurde mit Salzwasser gespült, die Dreckwäsche auch – im Schlepptau hinter dem Boot her, Toilettenspülung mit Salzwasser und Duschen auch, mit etwas Süsswasser hinterher zum Abspülen und beim Kochen wurde ein Teil des Wassers ebenfalls durch Salzwasser ersetzt. 5l Trinkwasser pro Tag und Person wären drin gewesen, wir verbrauchten weniger.

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Eine selbst eingeführte Tradition war das Sonnenuntergangslied. Jeden Abend wurde die Gitarre hervor geholt und von Lady in Black, über Heyho spann den Wagen an, Männer mit Bärten bis zu Ob wir rote gelbe Kragen tragen, schwangen wir unsere Stimmen empor und hatten einen gemeinsamen Fixpunkt im Tagesablauf, abgesehen von den Mahlzeiten. Der sonstige Tag strukturierte sich für jeden individuell durch seine Wachen.

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Stylingtipp: Kernseife in Verbindung mit Salzwasser gibt ein unschlagbares Haar“gel“, dem auch mit Süsswasser nicht beizukommen ist. Erst beim nächsten Haare waschen mit Salzwassershampoo wurde ich das wieder los. Welch Kostbarkeit auf See – Danke Michael.

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Beim zeitweisen Ankämpfen gegen Übelkeit, dem Wunsch nach ruhiger See, wenn einem beim Versuch zu schlafen umherfliegendes Brot halb erschlägt während man selbst alles versucht nicht selber zum Geschoss zu werden, dem Wunsch nach mehr Wind, wenn man in der Flaute festhängt und immer wieder motoren muss, um trotzdem vorwärts zu kommen, der Sehnsucht nach Land, wenn man meint genug vom Meer zu haben, die Stimmung an Bord so ist, dass man am liebsten aussteigen oder wenigstens endlich ankommen möchte, dann und auch sonst ist es eine der willkommensten Abwechslungen, wenn man von einem riesigen Schwarm Delphine umschwommen wird, Sprünge, Schrauben, Loopings präsentierend. Schon schön. Durften wir 2x erleben.

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Ich bin dankbar für diese Zeit mit allen Erlebnissen, Gesprächen, Herausforderungen und vor allem dir, Michael, dass du uns in deinem zu Hause mitgenommen hast und das Hand-gegen-Koje-Prinzip ideell und praktisch lebst. Günstiger hätten wir nicht über den Atlantik kommen können.

Louise, die übrigens der gesamten Crew die Haare schnitt und das echt gut – Respekt und Danke! Wie gesagt, du bist die erste seit Jahren, die ich meine Haare schneiden lasse und es ist schön zu sehen, dass es andere besser können als ich 😉 Louise schrieb für ihre Leute jedenfalls auch einen Bericht, den sie uns zukommen liess und den wir hier mit veröffentlichen dürfen. Wens interessiert, der kann da weiterlesen.

1 Comments

  1. Großartigen Dank für die riesig schöne Karte, Katharina !
    Wir verfolgen Dich gern und alles ist so spannend und interessant zu lesen. Glück und viel Schönes und bleib behütet !

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