Begegnungen – Brasilien

Brasilien liegt nun schon lange wieder hinter mir.
Fast zwei Monate sind wir durch den Osten und Norden von Brasilien gereist. Dabei zeigte sich, dass Brasilien nicht nur eine wunderschöne Landschaft zu bieten hat, sondern auch die Gastfreundlichkeit der Brasilianer unübertrefflich ist.
Dies zeigte sich schon in João Pessao: während unseres Besuch im Jardim Botanico trafen wir Bruno&Rhaisa, Kimã&Mariana, Edson, … Während der Tour geriet der botanische Garten zur Nebensache und wir plauderten über Brasilien, unsere Reise und ob wir verrückt sind. Die Einladung für den Abend mussten wir ausschlagen, schließlich war an dem Abend das Käpt’n’s Dinner geplant. Doch einige Tage später – nach den ersten Kilometern auf dem Rad- übernachteten wir bei Bruno und Rhaisa und trafen den Rest der Gruppe beim gemeinsamen Tapioca- Essen wieder.image

In Natal trafen wir Lutiane (eine Freundin von meiner Schwester Mareike) und ihre Familie und verbrachten eine netten Abend mit Essen und einigen Bieren in deren Wohnung. imageEine Wohnung in einem Wohnkomplex mit eigenem Sicherheitsdienst und vollständig von einer hohen Mauer umgeben. Trotzdem fühlten Katharina und ich uns sicher, als wir den knappen Kilometer von unserem Hotel dorthin gelaufen sind. Wir wären auch zurück gelaufen, doch Lutiane und Filipe haben uns für verrückt erklärt. Filipe brachte uns dann mit seinem Auto bis
vor den Hoteleingang. – manchmal sind die Sicherheitsbedenken der Brasilianer übertrieben und man hat das Gefühl, die Brasilianer haben mehr Angst vor ihrem Land als wir.

Ein paar (Bus-)Stunden später erreichten wir am nächsten Tag Fortaleza. Dort trafen wir ebenfalls eine Freundin von Mareike (und Lutiane) und verbrachten 2 wunderbare Tage mit Joice und Ihrer Familie. Zusammen mit einem Freund der Familie konnten wir auch Ersatzspeichen für mein Rad auftreiben – nicht ganz leicht, sind 28″ in Brasilien nicht wirklich verbreitet. Abends genossen wir Joices Stadtführung und überbrückten den strömenden Regen in einem Museum über die Cowboys in Brasilien.image

Was macht man, wenn die Straße wegen eines Brückenschadens gesperrt ist und erst nach Einbruch der Dunkelheit mit einem weiterkommen zu rechnen ist? Man quartiert sich im Garten einer Truckerkneipe ein. Noch im hellen hing die Hängematte und wir genossen unser Abendbrot. Als es Dunkel war und die Trucker endlich weiterfahren konnten, fragte uns die Besitzerin, ob wir nicht unsere Hängematten auf der Veranda aufhängen wollen. Beim Abbau im Garten begegnete uns die erste Vogelspinne – ich hatte sie nicht gesehen und einfach an die Palme gegriffen.
Den Abend verbrachten wir mit der Familie und schafften es sogar uns mit Wörterbuch und Händen und Füßen zu unterhalten.

Mathias, Katharina & Marcio

Eine ganz besondere Begegnung war Marcio: Katharina war eine Hügelkuppe vorraus als ein entgegenkommendes Auto anhielt. Ich rechnete damit, wieder einmal fotografiert zu werden doch stattdessen: „Americano?“ “ No, Alemanha“ gefolgt von einer Einladung zum Mittagessen. Marcio wohnt im nächsten Ort und holt nur seinen Sohn ab und ist dann zu Hause. Das Mittagessen war dann auch das Ende unserer Tagesetappe, blieben wir doch eine Nacht in Marcios Haus. Abends revanchierten Katharina und ich uns mit Spätzel und Geschnetzeltem (Anm.: Mehl mit Backpulver macht Spätzl ungewollt fluffig) Etwas leid tat mir
Marcios Tochter, musste sie ihr Zimmer doch für uns räumen. Auf der Terrasse in der Hängematte durften wir nicht schlafen – das lässt die brasilianische Gastfreundschaft nicht zu.
Taca-lhe pau! (Keep on going)…war der Spruch des Tages.
Am nächsten Tag ging es weiter – sowohl auf der Transamazonica als auch mit der Freundlichkeit. Wieder hielt ein Auto, ob wir die Freunde von Marcio sind? Damit hatten wir die Einladung für den nächsten Tag in der Tasche – dachten wir zumindest. Bis nach Uruara hätten wir es an dem Tag nicht geschafft. So verabredeten wir uns für den nächsten Abend.
Wir wollten noch 15km bis ins nächste Dorf fahren, doch bei einer Kuchenpause hielt ein Truck neben uns. Kurzerhand nahm er uns und unsere Räder mit. Etwas abenteuerlich samt Taschen auf der Ladefläche fest geschnürt, haben sie sich während der Fahrt doch ordentlich bewegt.

Radtransport brasilianisch

Radtransport brasilianisch

Katharina, Mathias & Ricardo

Katharina, Adriana, Ricardo & Mathias

Katharina, Adriana, Ricardo & Mathias

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auf der Huehnerfarm

Im nächsten Ort gab es kein Hotel, sodass wir die Gelegenheit genutzt haben, uns bis nach Uruara kutschieren zu lassen. Auch der frühere Besuch bei Ricardo&Adriana war kein Problem.
Es war Rosenmontag – in Brasilien hat man da ja frei und so fuhren wir gemeinsam zu Ricardos Bruder und Familie auf eine Hühnerfarm und konnten zu sehen, wie unser Mittagessen gerupft wurde. Zuvor klaute Ricardo noch eine Kakaobohne von einer Plantage um uns diese zu zeigen.
Auch sein Tipp für einen Fahrradladen in Santarem sollte sich noch als richtig erweisen.
Abends tranken wir noch einen Vitamina – eine Art Smoothie mit Erdnüssen und in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Am nächsten Tag ging es unserer neuen Radkleidung – meinem ersten Fussballtrikot – weiter.

In Manaus im Hostel trafen wir noch 3 Argentinier, mit denen ich bis Iquitos (Peru) zusammen weiterreiste. U.a. 7Tage auf dem Boot von Manaus bis zur Grenze. So konnte ich in den 7 Tagen gleich mein Spanisch üben.

Auch erwähnt sei noch „Hui“, der Hostelbetreiber in Manaus. Er lernt Sprachen indem er sich Pokémon-Sendungen in verschiedenen Sprachen anschaut: „Komm, Schnapp sie dir.“ oder „Du kannst es schaffen“

Diese Begegnungen werden mir in Erinnerung bleiben, haben sie die Reise doch geprägt. Dennoch habe ich sicherlich viele (kurze) Begegnungen vergessen. Seien es Hotelbesitzer, Motorradfahrer an Tankstellen, Leute, die einfach anhalten um sich mit uns zu unterhalten und, und, und. Fast alle
waren interessiert, was wir machen, wohin wir wollen und haben uns oft auch mit ihrem Rat geholfen.

Fazit: Brasilien ist die freundlichste Nation, die ich kennen gelernt habe. Ich wünsche mir, dass ich mir „eine Scheibe davon abschneiden“ konnte und mit nach Deutschland bringen kann.

P.S.: Eine nicht so schöne Begegnung hatte ich bei der Abfahrt in Manaus: ich döste in meiner Hängematte vor mich hin. Beim Aufstehen musste ich jedoch feststellen, dass meine gerade mal eine Woche alten Schuhe einen neuen Besitzer gefunden haben. Stattdessen stand ein paar FlipFlops bei meinem Hängematten-Nachbarn. Als dieser 2 Tage später von Bord ging, standen diese dort immernoch herrenlos herum: Ein ungewolltes Tauschgeschäft!

4 Comments

  1. Nice to hear from you guys! I hope you two have enjoyed Brazil! We are planing to go to Europe around November 2017 and if we go, we hope to see you around! 🙂

  2. Filipe e Lutiane 07/04/2016 um 02:07

    Hello Mathias and Katharina! We were very glad to have you two. Despite the short time, it was very good to have you. We have this photo dinner posted on our refrigerator, right in front of us…nice memory. And I’m sorry if we’ve passed a bad impression about our city or country, it was definitely not our intention. Good luck for you two in this great trip through the oceans and lands!

    • Be sure, we don’t have a bad impression about Brasil and in special about Natal. In the days in Natal and the weeks in Brasil we never felt unsafe – we just got warned so many times from different people about the „dangerous Brasil“, but cannot believe it.
      Driving us „home“ to our hotel was nice from you: obrigado!!!

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