Monate 7&8 – Peru

Tal hinunter zur Küste Tal hinunter zur Küste

…und schon sind wieder zwei Monate um – die Zeit vergeht wie im Flug. Halb Ecuador liegt schon hinter mir und ich hab immer noch nichts zu Peru geschrieben.

Eine Bootsfahrt die ist lustig, eine Bootsfahrt die ist schön, …

Brasilien verabschiedete sich mit einer 7 Tage dauernden Fahrt auf dem Amazonas. Gemütlich in der Hängematte baumeln, etwas spanisch lernen, aufpassen, dass man die Mahlzeiten nicht verschläft (außer das Frühstück – das bestand eh nur aus Keksen&Cafe), eintönige Landschaft genießen, Uno spielen … sonst nichts.

Haengematten auf den Amazonasschiffen

Hängemattenchaos auf den Amazonasschiffen

Kurz vor dem Ziel noch einmal Stress: die Polizei hat das Schiff abgefangen und in einer anderen Stadt festgehalten. Für die Passagiere hieß es nun, alle, die nach Tabatinga fahren, müssen umsteigen. Das nun kommende, kleine Boot war voll: voller Menschen und Gepäck. Mein Rad fand nur auf dem Dach Platz. Statt in der Hängematte zu baumeln, saß ich nun eine Stunde eng gequetscht auf einer Bank, bei <35°C – der Fahrtwind brachte nur geringe Abkühlung.

Eine Nacht in Tabatinga – in einem „Luxushotel“ – man sollte nicht umbedingt „Hotel?“-zurufenden Mopedfahrern glauben&folgen, wenn man was Günstiges sucht. Aber ergal, ich war einfach nur gestresst und müde.

Am folgenden Tag in Brasilien ausstempeln, über den Amazonas/ Solimoes setzen und nach Peru immigrieren. Die 60 Tage Visa, die ich bekommen haben, sind sehr eng geworden: ich war ganze 58 Tage in Peru.

Peru

Ticket für das Rapido (Speedboot) nach Iquitos holen – Abkühlung suchen: Bier! „Cerveza simple?“ „Si“ endete mit einem Zwei-Gänge-Menü, jedoch konnte mich das Essen nicht überzeugen. Später erfuhr ich, dass der 2. Gang Ceviche war, ein Nationalgericht Perus: roher Fisch, Zwiebeln mit ganz viel Limette übergossen.

Sonst verbrachte ich den Nachmittag mit dem Erkunden der Insel: Santa Rosa (das Dorf) erstreckt sich über die ganze Insel, ist aber dennoch in einer guten halben Stunde vollständig durchquert. Dann halt einmal drum herum: für ein paar meiner restlichen Reais überredete ich einen Motorbootfahrer, mich einmal rumzufahren. Begleitung gab es von der Familie des Restaurant, wo ich mein Rad untergestellt hatte und nachts auch meine Hüngematte aufspannen durfte.

Zeitvertreib: Motorbootausflug

Zeitvertreib: Motorbootausflug in Santa Rosa

Die Nacht war dann auch schnell vorbei, dass Rapido fuhr um 4Uhr. Wegbeschreibung zum Anleger: „Vor dem Krankenhaus links, am Ende das Haus mit dem Licht“. Als ich ne halbe Stunde vorher da war, war nur alles dunkel. Im Dunklen tappste ich am Ufer entlang, weckte noch jemanden in seinem schwimmenden Haus auf, als ich über seine Festmacherleine stolperte, und schließlich ging auch 200m entfernt endlich Licht an. Die letzte Hürde war ein ca. 10m langer Steg, der zum schwimmenden Anleger führt. Nur bestehend dieser aus zwei hintereinander liegenden Brettern, jedes ca. 50cm breit; davor ich und mein bepacktes Fahrrad. Nach kurzen überlegen, machte ich mich langsam und vorsichtig auf den Steg. Dieser bog sich schon bedenklich und den Schreck zum entgültigem Wachwerden bekam ich in der Mitte: mein Hinterrad rutschte in den Spalt zwischen den beiden Brettern und nur wegen meiner Radtaschen fiel das Rad nicht im Wasser.

Iquitos, die Stadt im Dschungel und eine miese Dschungeltour

Auf dem Boot traf ich auf Doris (Blog), eine Münchener Backpackerin, und verbrachte mit ihr einige schöne Tage in Iquitos: das Weißbier im Fitzcarraldo und die Butterfly-Farm waren da die Highlights. Von Iquitos aus wollte ich nun auch endlich eine Dschungeltour machen, bevor es in die Berge geht. Die Anbieter tummeln sich nur so um den Plaza del Armas, ich buchte bei einem, wo die Tour etwas interessanter klang, dafür aber auch die Teuerste war: 5 Tage Dschungel, gute Unterkunft mit Camping, gutem Essen, tief ins Nationalparkgebiet hinein.

Leider nur leere Versprechungen: 5 Tage waren es, aber eine viel zu lange dauernde Anreise, da ja noch eingekauft werden musste, die Familie vom „Lodge“-Besitzer noch abgesetzt werden musste usw. Auch den 5. Tag wollten sie mir noch „klauen“: damit ich das Boot nach Yurimaguas bekomme, wollten sie mich schon in der Nacht vorher zurück fahren… da hab ich aber nicht mitgespielt und meine Weiterfahrt einen Tag später angetreten. Das Dorf „20 de Enero“, indem die „Lodge“ stand, ist dagegen echt nett: ca. 130 Einwohner, kein Strom, kein fließend Wasser, Sanitäranlagen hat nur eine Dordbewohnerin, die anderen zahlen dort dafür oder gehen in den Wald. Die „Lodge“ passte sich dem Dorf an: eine Bruchbude, natürlich auch ohne Sanitäreinrichtungen und ohne Privatsphäre. Das ich vom Essen, welches in der „Küche“ zubereitet wurde, nicht krank geworden bin, ist ein Wunder. Aber vom Essen gab es ja eh nicht viel, nach 2 Tagen war nur noch Reis über. Besser wurde es erst, nachdem ich mit dem Dorftelefon in der Agentur meine Beschwerde vorgebracht habe: plötzlich hatte der Guide Geld und konnte im Dorfsupermarkt (trockenes) Brot und ein Hühnchen erstehen.
Von der Agentur „Tropical Adventures & Expeditions“ (Calle Napo N°326, Iquitos) kann jedem daher nur abraten…

Ansonsten sind wir viel Boot gefahren, haben viele Vögel und Delphine gesehen, ein paar Affen und Ameisen, dafür keine anderen Tiere – dafür waren wir nicht tiefgenug im Nationalpark (war anders versprochen). Beim Camping war ich froh mein eigenes Zelt nutzen zu können: das für mich gedachte hatte extra Löcher, damit die Mücken leichter reinkommen…

Hier ein paar Eindrücke der Dschungel-Tour:

Aufgrund dieser negativen Ereignisse und weil ich am 2. und 3. Tag mit leichtem Fieber zu kämpfen hatte, konnte ich die Tour nicht wirklich genießen.
So kam es, dass ich mit einem doch recht negativem Eindruck von Peru gestartet bin.

P.S.: Ein Highlight gab es aber doch: mit den Dorfjungen bin ich fast jeden Abend Fahrrad „gefahren“. Für die Ninos das erste mal auf einem Fahrrad – im Dorf gibt es ja nur den betonierten Fußweg der einmal um die große Dorfwiese führt. Für die Ninos ein wahrer Spaß, für mich abendlicher Sport, der mich in der schwülen Abendluft ins Schwitzen brachte.

Peru kann auch anders

Die Erkältung kurierte ich dann 5Tage in Yurimaguas aus. Auch wenn es nun endlich wieder eine Straßenanbindung gab, ließ ich mich mit einem Bus/Taxi samt Fahrrad die 100km nach Tarapoto kutschieren – ich hatte einfach noch keine Muße, mich wieder auf’s Rad zu schwingen. In Tarapoto bin ich auch wieder länger geblieben, als geplant: ganze 4 Tage verbrachte ich in netter Gesellschaft bei einer Wanderung zu einem Wasserfall, bei gemütlichen Essen und einem Disco-Besuch (mein erster seit etlichen Jahren…). Bei besagter Wanderung habe ich fast mehr gesehen und vom Guide erklärt bekommen, als während meiner Dschungeltour. Noch dazu war die Wanderung mit zwei Flußdurchquerungen und einem Sprung ins Becken des Wasserfalls auch recht abenteuerlich.


Tarapoto zeigte mir, dass Peru auch eine schöne Seite hat, und vorgreifend sei gesagt, dass dies auch in den weiteren Wochen so bleiben sollte.

Das „Auf-und-Ab“ der Anden

Doch schließlich ging es wieder auf’s Rad, wenn auch die erste Etappe kurz ausfiel, dafür mit einigen Höhenmetern. Zählten bisher die gemachten Tageskilometer, änderte sich das in den Wochen in den Anden: wieviele Höhenmeter (hm) schaff ich an einem Tag? km sagen wirklich nichts mehr aus: geht es lange bergab, sind >100km kein Problem, ist aber ein Berg im „Weg“, sind 40km schon viel.
Es zeigte sich, dass ich pro Tag ca. 1800hm schaffe – um manch einen Berg an einem Tag zu schaffen nicht genug, manchmal waren es über 2200m bis zum Pass.
Während der Wochen in den Anden kam ich so etliche Male über 3000m: 3400m, 3800m, 3200m, …
Besonders erwähnenswert sei noch die Abfahrt vom 3600m.s.n.m hohem Pass „Calla Calla“ auf nur noch ca. 800m.s.n.m: es ging ganze 58km (!) nur bergAB und dass auf einer schmalen (aspaltierten) Straße, die dem Berg abgerungen war, mit spektakulärer Aussicht ins Tal und die umgebenden Berge. Nicht einsehbare Kurven, Tunnel, Felsdurchfahrten und die Straße-überquerende Bäche mit Wasserfall ließen diese Abfahrt unvergesslich werden.

Achja, ein Wort zum Wetter darf hier auch nicht fehlen: wechselhaft. Zum einen gibt es regionale, höhenbezogene Unterschiede in den Anden. Ist es in den Bergen feucht und grün, kann es in einem Tal fast wüstenartig heiß werden und nur noch Kakteen wachsen. Zum anderen wechselt das Wetter schlagartig. Erst scheint die Sonne, die Sonnencreme kann nicht dick genug sein, wenige Minuten später kommt der Regen runter. Zudem ist man mal unter den Wolken, dann in den Wolken oder sogar darüber. Dabei wechselt die Temperatur genauso schnell: erst +42°C, dann nur noch 10°C … manchmal wollte ich meinem Radcomputer nicht mehr trauen, aber meist überzeugte mich mein Körper dann.
Es bleibt festzustellen, dass ich oft mit Jacke&Regenhose an- und Ausziehen beschäftigt war (oder manchmal zu faul war und gefroren habe).

Hier noch ein paar Impressionen aus der Bergwelt Perus:

 

Einsamkeit & Gesellschaft

(Draht-)Esel trifft Esel

(Draht-)Esel trifft Esel

Transportmittel Esel

lokal-übliches Transportmittel: der Esel

Radfahren in den Anden ist doch recht einsam. Die wenigen Autos und LKWs, die die kurvigen Straßen fahren, kann man pro Stunde mit wenigen Händen abzählen. Öfters noch trifft man da auf Pferde, Esel, Schweine und deren Besitzer. Dennoch gab es einige Begegnungen:

Aus Moyobamba fuhr ich in großer Gesellschaft und mit Polizeibegleitung heraus. Denn in Moyobamba gibt es eine rege Rad-Community, die regelmäßig in der Stadt ihre Runden gemeinsam dreht. Doch genau an diesem Samstag stand eine größere Tour an: 50km nach Nueva Cajamarca und zurück. Ich schloß mich also Samstag früh morgends dieser Gruppe an. Obwohl ich natürlich der Einzige mit einem bepackten Rad war, konnte ich das Tempo aber gut mithalten – die Strecke war meist eben. Zurück ging es für mich natürlich nicht, stattdessen noch 50km weiter bis an den Fuß der nächsten Berge und Pässe.

In Nuevo Tingo dann eine Überraschung: auf der Suche nach einer Unterkunft sah ich schon weitem ein Fahrrad mit … Gepäckträgern! und daneben auch die Radler: die Schweizer Luzia&Lukas (http://www.baisike.li) und den Schotten Keir. Diese waren schon gestern hier angekommen, hatten Kuelap schon besucht und wollten am nächsten Morgen weiter. So kam es, dass wir nur einen Abend und ein Frühstück gemeinsam nutzen, um unsere Erfahrungen (über Ecuador& Peru, die bellenden&beißenden Hunde, Mister&Gringo, Pannen, …) auszutauschen.

In Trujillo fand in Unterschlupf in der berühmten „Casa de Ciclista“. Lucho (Luis) und seine Familie nehmen seit über 30 Jahren Radfahrer in ihrem Haus auf. Die Tage verbrachte ich mit Stadterkunden, Fahrrad reinigen und reparieren (mit Luchos fachkundiger Hilfe waren auch die Kugellager und der Freilauf dran: kein Fett mehr drin und teilweise schon kaputt) und Pre-Inka-Stätten (ChanChan) bewundern. Auch traf ich in der Casa den brasilianischen Ciclista Josef, der sogar schon (durch Luzia&Lukas) von mir gehört hatte – die Welt ist eben doch klein.

 

Noch ein Highlight: Perus Cocina

Vom Dschungel-Essen nicht gerade verwöhnt, überraschte mich Peru doch mit einer netten Küche. Mein absolutes Highlight ist Lomo Saltado (Rindergeschnetzeltes mit Tomate, Zwiebel, Pommes auf Reis), gefolgt von Papa rellena (gefüllte Kartoffel/ Krokette). Aber auch die Chifa-Küche (peruanische Küche mit asiatischem Einfluss) habe ich mehrfach genossen. Generell habe ich wenig selber gekocht, sondern bin meist Essen gegangen: Frühstück (Cafe, frischer Saft, Rührei, Brot) nur 1-2 Euro, Mittags- oder Abendmenü (Suppe – oft mit undefinierbarer Fleischeinlage oder Hühnerfüßen, ein ein Hauptgericht – meist mit Reis und Bohnen, dazu ein Saft mit „Refill“) nur 2 Euro. Kochen war mir bei den Preisen meist zu aufwendig.
Ein Highlight der peruanischen Küche möchte ich euch aber nicht vorenthalten. Ich hab es probiert, und es hat geschmeckt, sodass ich ein Zweites gegessen habe.

Zuvor aber eine Warnung: der folgende Abschnitt ist FSK 16. Für schreiende Kinder, die die nächsten Nächte schlaflos verbringen, übernehme ich keine Verantwortung. Und bevor jemand aufschreit „Wie kannst du nur?“ oder „Das ist doch eklig!“: Ja ich kann – hab wie erwähnt – ein Zweites gegessen und würde es wieder tun; und Nein, es schmeckt – ein bisschen wie Hühnchen, aber etwas schwieriger zu essen (noch kleinere Fleischstücke).
Die Rede ist von Cuy, ein Nationalgericht Perus (und Ecuadors): im Englischen Guinea Pig, im Deutschen Meerschweinchen.

Cuy frito: frittiertes Meerschwein (nur ein halbes - längs geteilt)

Cuy frito: frittiertes Meerschwein (nur ein halbes – längs geteilt)

„Das ist doch ein Haustier!“ – Nein, hier in Peru nicht. Hier ist es eine Delikatesse und auch etwas teurer und kommt daher nicht täglich auf den Tisch (im Gegensatz zu Hühnchen). Aber man kann es auf dem Markt ganz normal kaufen: schon tot und ohne Haare – sieht etwas aus wie ein Nacktmull (Foto folgt). Nebenbei sind die (Riesen-)Meerschweinchen hier auch etwas größer als unsere Haustiere – in Deutschland würde es sich kaum lohnen, diese zu schlachten.

Fazit

Peru ist ein wunderschönes Land, mit freundlichsten Menschen, toller Landschaft, hohen Bergen usw. Dennoch habe ich nur einen Bruchteil gesehen, da ich nur den Norden von Ost nach West durchquert habe. Den Süden muss ich auf eine erneute Reise verschieben. Immerhin habe alle Regionen (Selva, Sierra und Costa) des Landes bereist. Auch wenn die Berge hoch sind, war Radfahren nie ein Problem, wenn man streckenweises Schieben in Kauf nimmt. Die Straßen sind in hervorragenden Zustand, überall erwähnte Erdrutsche habe ich keine erlebt bzw. waren diese schon beseitigt.
Die Panamericana im Norden Perus habe ich mit dem Bus übersprungen: die Region gilt unter Radfahrern als gefährlich, landschaftlich wenig reizvoll (Wüste) und verdreckt (s. obiges Foto).

Auch wenn dieser Bericht sicher nicht alles wieder gibt, was ich in Peru erlebt habe, so habe ich doch einen Querschnitt meiner fast 8 Wochen beim Schreiben noch einmal erlebt. Das was hier nicht erwähnt ist, hebe ich mir für meine Erzählungen auf, wenn ich wieder in Deutschland bin. Ein Bericht über meine Erlebnisse in Ecuador folgt hoffentlich zeitnaher 😉

3 Comments

  1. Hey Mathias!

    Schoen von dir zu lesen!
    Schoene Bilder.

  2. Moinsen!
    Das machst du genau richtig! Alles mitnehmen und alles erleben.
    Nur der Bart muss noch etwas dichter werden, sieht jetzt so ein bisschen aus wie Grönemeyer in „das Boot“.
    Viel Spaß und viele Abenteuer noch.

    • Darauf habe ich wenig Einfluss. Aber ich geb mein Bestes. Länger ist er auf jeden Fall schon wieder.

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