Kolumbien

meine erste Zeltnacht in der Wueste

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Quito verlasse ich mit Bus, um dem starken Verkehr, Straßensmog und ein paar Höhenmetern aus dem Weg zu gehen und die Zeit in Kolumbien besser aufteilen zu können.

Als ich in Cali wieder aufs Rad steige und 2 Tage durch eine Ebene radle, Sommerdüfte und -temperaturen genieße, packt mich ein bisschen Wehmut vor dem bevorstehenden Andenabschied. Als ich am nächsten Berg doppelte Anstrengung erlebe, weil die Kugellager meines Vorderrades unschöne Geräusche von sich geben und folgerichtig zu viel Reibung verursachen, freue ich mich an einem „Ruhetag“ im Valle de Cocora.

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Hier wandere ich durch wunderschöne, abwechslungsreiche Landschaft und bekomme verschiedene Kolibris zu Gesicht. Von angeblich 300 Arten, kann ich immerhin 3 ausmachen. Ich betrachte bis zu 40m hoch wachsende Palmen, die wie Zahnstocher in der Gegend rumstehen und nur hier vorkommen. Ich schließe mich einer auf dem Weg entstandenen internationalen Wandergruppe an und erfahre auf die Beobachtung hin, dass es keine kleinen Palmen gibt, dass diese Art, aus welchen Gründen auch immer, keine Samen (mehr?) produziert. Wie traurig. Eine aussterbende Art?

was sind das fuer Ratten, vor denen Autofahrer gewarnt werden?

was sind das fuer Ratten, vor denen Autofahrer gewarnt werden?

In Pereira, der nächsten größeren Stadt, bekomme ich neues Fett in meine Kugellager, meine Kette wird gereinigt und geölt, ich bekomme Kaffee angeboten, darf das W-Lan nutzen und die Toilette und für all das wollen sie kein Geld – lediglich das Fläschchen Kettenöl, das ich kaufe, muss ich bezahlen – Wow! Dem Mechaniker drücke ich noch ein Trinkgeld in die Hand und freue mich über so netten Service – Danke! Da ist die Nacht in der sprichwörtlichen Absteige ohne Fenster in meinem nach Katze und Rauch stinkenden Zimmer und kleinen käferartigen Mitbewohnern, Nachbarn, die auch schon bessere Zeiten gesehen haben und einem Angebot eines einsamen Mannes, mich zum Essen und einer Nacht im Hotel einzuladen – die Ablehnung akzeptiert er zum Glück – wieder wett gemacht, um die Stadt in netter Erinnerung zu behalten. Die Nacht nahm ich mit Humor, sagte mir aber, dass ich das nicht noch mal haben muss.

 

Den vorletzten großen Berg mit ca. 1.600m Höhenunterschied schaffe ich wider Erwarten an einem Tag, werde am Gipfel von 3 netten Motorradfahrern zum Getränk eingeladen, die Telefonkontakt zu meinen Gastgebern in Medellin herstellen und einen Treffpunkt in der Stadt vereinbaren. Wie gut – ich hätte das Haus mittels meiner Kartenapp nicht gefunden. Gracias Andres y Co!

(Anmerkg.: Seit Mitte Amazonas habe ich auf meine dt. Sim-Karte keinen Empfang mehr. Alle versendeten Sms an mich, kommen nicht an)

 

Blick aus der Seilbahn, die zur Metro gehoert und fuer Bewohner der aermeren Stadtteile billiger ist

Blick aus der Seilbahn, die zur Metro gehoert und fuer Bewohner der aermeren Stadtteile billiger ist

In Medellin lerne ich das Sozialprojekt eines Studienfreundes meines Bruders kennen. Zusammen mit seiner Frau und vielen freiwilligen Helfern bieten sie in einem der Armenviertel derzeit ca. 100 Kindern Essen, Nachhilfe, Portugiesischunterricht und weitere Bildungsangebote, auch für Erwachsene und helfen mit, andere Zukunftschancen als Prostitution, Beteiligung am Waffen- und Drogenhandel,… zu schaffen. Viele Kinder stellen bereits in der Grundschule fest, dass sie mehr als ihre Eltern wissen. Gründe der schlechten Bildung sind z.B. familiäre Probleme und schlechte oder fehlende Ernährung.  Die Kinder, die zum Projekt kommen wirken sorgloser, einzelne schaffen es an die Uni, für deren Kosten ebenfalls das Projekt aufkommt. Ich bin begeistert und bleibe eine Woche, wo ich in der Küche mithelfe, einem Jungen in gebrochenem Spanisch das Dividieren versuche zu erklären und viele nette Begegnungen mit den Kindern und Helfern habe. Es gibt viel Arbeit und wer mit seinem Wissen und seinen Fähigkeiten Lust hat sich einzubringen, ist herzlich willkommen. Und wer das Beduerfnis hat zu Spenden, hier waere eine Moeglichkeit.

www.pamibarrio-deutsch.weebly.com

Gracias Ronny, Deisy y Daniela, Isa y Dahiana y todos los profesores y los chicos – ustedes son grandiosos! Gracias Alvaro y Jocabat por su hospitalidad! Mi tiempo en Medellin es especial y importante para mi y mi fe. Gracias!

Zu allem Glück bekomme ich auch noch einen passenden neuen Mantel für mein Hinterrad! Der insgesamt 4. auf der Reise, während der vom Vorderrad noch immer durchhält.

 

Wegen der Woche Aufenthalt, entschließe ich mich für eine weitere Etappe Bus nach Riohacha. Hier decke ich mich mit Lebensmitteln und Wasser ein (13 l bekomme ich unter), um in die Wüste zu radeln. Diese präsentiert sich zunächst recht grün und teilweise überschwemmt – wie ich später erfahre, der erste Regen seit 3 Jahren! Die meisten Menschen hier sind auf Regenwasser angewiesen. Nur wenige haben Geld, um Wasser zu kaufen oder besitzen Anlagen zum Entsalzen von Meerwasser.

nach 1km durch Sand schieben und einem Weg, der zum See wird, gebe ich den Quer-durch-die-Wueste-Weg auf und kehre zurueck zum Asphalt

nach 1km durch Sand schieben und einem Weg, der zum See wird, gebe ich den Quer-durch-die-Wueste-Weg auf und kehre zurueck zum Asphalt

Auf wiederholtes Fragen nach dem Weg, werde ich stets in die andere Richtung als in meiner App gewiesen – widerwillig folge ich dem Rat der Leute, weil ich eigentlich lieber die kürzere Strecke am Meer entlang gefahren wäre. Schließlich bekomme ich die Auskunft, dass es die Straße schon gibt, sie aber steinig und schwerer zu befahren ist, es außerdem gefährlich ist, weil es zu Übergriffen auf Touristen kommen kann und ich nun mal heraussteche mit meinem vollbepackten Gefährt. So nehme ich es dankbar hin, anders geleitet worden zu sein.

es gibt einen Gueterzug zum Kohletransport von der Grenzstadt Maicao zum Hafen ganz im NO

es gibt einen Gueterzug zum Kohletransport von der Grenzstadt Maicao zum Hafen ganz im NO

In Manaure erlebe ich meinen 1. Radunfall. Bei einem Überholmanöver streift ein Auto meine Radtaschen, ich verliere das Gleichgewicht und stürze, bekomme die Knochen meines linken Ellbogens zu sehen und komme sonst glimpflich davon. Keine Brüche, keine Kopfverletzung, nur noch ein paar Schürfwunden. Die Autofahrer halten an und fahren mich in die Notaufnahme, wo mein Ellbogen genäht wird. Sie holen mein Fahrrad samt Taschen, schicken einen Neffen, der Englisch spricht, nehmen mich bei sich zu Hause auf, kümmern sich um alles und versorgen mich. Es geht mir gut, ich habe gute Laune, lerne eine der hier in der Wüste lebenden Gemeinschaften kennen und erfahre etwas über Leben und Leute hier. Alle sind sehr herzlich und erkundigen sich nach meinem Wohlergehen. Die Gemeinschaft betreibt eine Schule, die als die zweit beste in der Region gilt. Bei entsprechend guter Leistung der Schulabgänger, besteht die Chance auf staatliche Finanzierung eines Studiums.

Nun hoffe ich auf rasche Genesung, um nächste Woche in Santa Marta Michael wieder zu treffen, mit dem ich zur verlorenen Stadt wandern will. Ob ich so fit sein werde, muss sich zeigen. Noch bin ich optimistisch, dass ich zumindest busreisefähig sein werde. In zwei Wochen steht dann die Schiffsreise nach Portugal bevor…

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Vergnügte Grüße aus einer Wüste, die mir gefällt und mehr zu bieten hat. Es reizt mich, sie bei Gelegenheit weiter zu beradeln, vielleicht nicht allein – obwohl ich das einsame Umherstreifen liebe – aber Gefahren und schwierigen Wegpassagen lässt sich in Gemeinschaft besser begegnen. Mehr als in anderen Laendern bislang werde ich immer wieder angesprochen, dass es gefaehrlich ist, was ich mache. Hm.

1 Comments

  1. die Cous-ab-ine 15/05/2016 um 23:38

    hujui, liebe katharina, ich schätze, du kannst doch so ein paar fürbitten und engelchen gebrauchen. wünsche dir schnelle und gute besserung!

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