Namibia

Bildreihenfolge und -anordnung entsprechen nicht meiner Absicht, aber immerhin hab ich sie überhaupt hochgeladen bekommen. Nach Stunden des Rumärgerns, gebe ich jetzt diesem Kompromiss nach und grüß euch herzlich!

 

Suchbild: wo ist die Ameise

Suchbild: wo ist die Ameise

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Spuren im Sand

Spuren im Sand

Versuch Felge am Weiterreißen mittels Isolierband zu hindern

Versuch Felge am Weiterreißen mittels Isolierband zu hindern

Spaziergang

Spaziergang

Hartebeest und Oryx

Hartebeest und Oryx

mit Leia und Johan

mit Leia und Johan

Cola, eisgekühlt, draußen im Irgendwo

Cola, eisgekühlt, draußen im Irgendwo

Danke Mami ;)

Danke Mami 😉

Holperpiste

Holperpiste

Springböcke

Springböcke

Rast

Rast

 

Spreetshoogte-Pass

Spreetshoogte-Pass

Kugellagerschaden, bzw. v.a. fehlende Kugeln

Kugellagerschaden, bzw. v.a. fehlende Kugeln

ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für mich: Ich betrete meine erste Sanddüne

ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für mich:
Ich betrete meine erste Sanddüne

Im Fahrradladen in Windhoek

Im Fahrradladen in Windhoek

Sossusvlei

Sossusvlei

 

Ich bin wieder zu zweit unterwegs. Michael begleitet mich durch Namibia und Südafrika. Anfangs frage ich mich, ob es unklug ist, einen „Fahranfänger“ in anspruchsvolles Gelände mitzunehmen. Naja, immerhin weiß er mehr über Namibia als ich und war schon mit Motorrad hier unterwegs und ist willensstark genug, durchzuziehen, was er sich vornimmt. Abgesehen davon, dass er sich gut macht, bin ich zur Zeit tatsächlich lieber in Gesellschaft als allein unterwegs und es tut gut, sich gegenseitig ermutigen zu können, wenn einem die Unannehmlichkeiten die Motivation rauben.
Wir genießen die Landschaften sehr und bekommen fast täglich Tiere zu sehen. Alle (zum Glück) scheu. Fotografieren dadurch schwierig, da die Zeit zum Kamera zücken zu lang dauert, um sie noch erkennbar vor die Linse zu bekommen.

21.6.
Auf den 40 km vom Flughafen bis Windhoek begegnen wir mehreren Pavianherden, erschrecken eine Warzenschweinfamilie (und sie uns) und bekommen einzelne Kudus zu Gesicht und eine blaue Ameise mit grün bepelztem Hinterleib.

 

22.-24.6.
In einem Camp mit Heizdecken! nutzen wir die Zeit uns zu informieren, uns mit Kartenmaterial und anderen nützlichen Utensilien auszustatten und uns für einen Weg zu entscheiden. Nach Norden und dann über Botswana? Richtung Süden auf der vielbefahrenen Asphaltstraße ohne Seitenstreifen? Wir starten schließlich Richtung SW über weniger stark befahrene unbefestigte Straßen.

 

25.6.
Es geht los. Schotterpiste und die ersten Pannen:
eine verlorene Achsmutter und ein Platten bei Michael. Erneuter Ständerbruch bei mir.
Etwa 30 km Strecke für heute.
Nachts empfindlich kalt. Wir haben gefrorenes Kondenswasser im Zelt.

26.6.
Meine Hinterradfelge reißt. Eine Abnutzerscheinung vom Bremsen. Geschätzte 30 bis 40 Tausend km hat sie mitgemacht – davon etwa 8 bis 9 Tausend auf dieser Reise. Versuche mittels Isolierband das Weiterreißen zu verhindern, um noch bis zur nächsten Lodge zu kommen. Nach ca. 4 km platzt die Felge. Den nächsten Pickup halte ich an und bitte den Fahrer mich die restlichen 8 km mitzunehmen, während Michael nach radelt. Ein herzliches Danke und etwas Trinkgeld hellt die wenig begeisterten Gesichter auf.
20 km.
Liebe Mami, ich benutze inzwischen auch deine Trillerpfeife – doch kein unnötiges Gepäck 😉 Um nach vorn zu kommunizieren, bei Panne oder Pausenbedürfnis und nach hinten, um zu erfahren, ob der Mitfahrer noch da ist, ohne sich umdrehen zu müssen und weiter auf die Fahrbahn konzentrieren zu können. Michael hat ne Hupe. Klingeln hört man bei dem Untergrund nicht, dafür auch nicht die unschönen Geräusche leidender Fahrradteile, Autos dafür meist schon von weitem. Diese fahren oft schnell, um die Bodenwellen zu überfliegen und hüllen uns in dicke Staubwolken.

27.6.
Johan, der Pächter der Farm nimmt mich mit nach Windhoek, wo ich eine neue Felge bekomme. Leider wird das ganze an diesem Tag nicht fertig, so dass ich am nächsten Tag wiederkommen muss.
Abends Kartoffeln und Steak am Lagerfeuer.

28.6.
Johan fährt extra für mich erneut nach Windhoek. Neue Felge + Speichen kosten rund 140,- Euro. Dafür hätte ich auch ein gebrauchtes Mountainbike bekommen.

Zurück auf der Farm stelle ich fest, dass die Kugellager meines Vorderrades schon wieder Probleme machen. Kacke! …Johan…, hast du Werkzeug, um sie zu öffnen und evtl. zu reinigen und fetten? Ein Blick ins Innere und Johan guckt auf die Uhr. Der Fahrradladen hat noch offen. Wir fahren jetzt noch hin! – Dort hat man kein passendes Ersatzlager. Aber vielleicht kann man morgen was auftreiben…

Während meiner Hauptstadttrips sammelt Michael Trophäen, die er bei seinen Spaziergängen durchs Farmland findet.

Wir übernachten auf dem Aussichtsturm am Wasserloch, um Tiere zu beobachten.

29.6.
Haben keine Tiere gesehen, dafür tummeln sich verschiedenste Tierspuren um unsere verlassenen Zelte – haha.

Johan fährt mit mir nach Windhoek. Mir ist es unangenehm so viele Umstände zu machen. Johan bleibt gelassen und meint Shit happens.
Die Fahrradwerkstatt hat keine passenden Lager bekommen. Sie reinigen, fetten und bauen die angeschlagenen wieder ein. Hoffe sie halten lange genug, bis Ersatz möglich. Nabendynamo funktioniert nicht mehr.

Leia begleitet uns auf einem Spaziergang übers Farmgelände. Wir sehen Oryxantilopen, Hartebeest, Warzenschweine, einen Springbok, ein Gnu, Paviane und Perlhühner.

30.6.
Wir verabschieden uns von Johan, tragen unsere Räder vom Campingplatz, um dem Minenfeld an Dornen zu entgehen – Michael muss noch einen Platten in Kauf nehmen – und radeln weiter. 47 km bis wir uns auf einer Anhöhe neben der Straße niederlassen.

1.7.

Allmählich entwickeln wir einen Blick und entsprechendes Fahrgefühl für den Untergrund, um bestmöglich durch weiche Sandpassagen zu gelangen (fährt sich ähnlich wie Schneematsch), Bodenwellen zu „überfliegen“ und gekonnt Spuren zu wechseln.
Mein Arm macht sich bemerkbar, wenn er all zu sehr durchgerüttelt wird. Ich versuche das Gewicht entsprechend mehr auf den rechten Arm zu geben. Alles in allem gehts recht gut. Haut sieht auch viel besser aus.
Nach ca. 30 km verlockt uns eine pitoreske Steinlandschaft mit Feuerstelle zum Campen. Wir bleiben.
Michael schnitzt mir einen neuen Ständer.

2.7.
Der optisch ansprechende Holzständer bricht.
28 km bis zu Benitos Farm und Lodge, dessen Küche wir nutzen und seinen Kühlschrank plündern dürfen, da es im nächsten Ort, wo wir neue Lebensmittel kaufen wollen, keinen Laden gibt.

3.7.
Michael hat zum 1. Mal Freude am Rad fahren und genießt es! Er fährt singend vor mir her. Ich freu mich. 🙂
Am Spreetshoogte-Pass genießen wir die Aussicht und Michael nimmt sich eines Platten an. Wenig weiter finden wir ein Camp. Wir sind die einzigen. Es gibt Toiletten und Dusche mit Holz zum Anheizen, Lagerfeuer, Sonnenuntergang, Sternenhimmel mit bester Sicht auf Milchstraße. Ab jetzt sind sogar die Nächte warm! Vor uns tut sich die Wüste auf.

4.7.
Ab gehts von ca. 1700 auf etwa 1100 müNN. Viel Bremsen auf gepflasterter! Straße.
Vor uns kreuzen zwei stattliche Wildkatzen (Geparde?) die Straße und sprinten davon. Hätte sie nicht so groß vermutet.
Fahren bis Solitaire. Es gibt einen Laden, sogar mit frischem Obst, eine Bäckerei mit Apfelkuchen und Kaffee und eine Werkstatt, die Reparaturen für Zweiradfahrer kostenlos durchführt.
Bleiben 2 Nächte, um einen Ruhetag zu haben.

5.7.
Ich entferne einige Achten aus insgesamt 3 Rädern. Wir waschen Wäsche und ich bringe mein Vorderrad zum Mechaniker weil es schon wieder/ immer noch schwergängig ist. Für die Lager kann er auch nichts machen, aber er baut mir den Nabendynamo aus, der durch das Spiel in den Lagern am Dauermagneten schleift und vermutlich einen Kurzschluss hat und somit zusätzlich bremst.
Es rollt besser.
Ich bekomme ein Stahlvierkant, das ich als Ständer nutzen möchte.

6.7.
Wir fahren bis es Zeit wird zum Zelt aufbauen, als uns ein Fahrzeug folgt und der Fahrer zu verstehen gibt, dass man hier nicht campen darf. Die Grundstücke hätten hier keine Zäune, er wolle hier jagen und wenn wir ein paar km weiter im Nationalpark erwischt würden, würde man uns einsperren. Außerdem seien wir ja eben erst an einem Camp vorbei gefahren. Der Mann ist mir unsympathisch, auch wenn er recht haben mag. Ich versuche mich damit zu beschwichtigen, dass er vermutlich keine Ahnung hat, was es heißt, hier per Fahrrad zu reisen, wo man froh über jeden geschafften km ist. Wir fahren etwa 5 km zurück zum Camp, wo wir den letzten verfügbaren Platz der sonst ausgebuchten nächsten Tage bekommen.

7.7.
Zwei Kinder bringen uns ein Frühstück vorbei. Mein Gesichtsgedächtnis ist schlecht, aber wir vermuten die Familie des Jägers (und Besitzer des Camps?). Von wem auch immer, wir freuen uns! V.a. Michael, der sich um ausreichend Energie sorgt, wenn er an unsere schwindenden Vorräte für diesen Tag denkt.
47 km bis Sesriem, von denen die letzten 12 km extrem schlechte Fahrbahn sind, auf denen sich Michael einen Platten einfängt. Der Flicken scheint nicht richtig abzudichten, sodass der Reifen bei Ankunft wieder platt ist. Wegen ausgebuchtem Zeltplatz bekommen wir einen Ersatzplatz zugewiesen. Wir essen Wildsteak im Restaurant und treffen einen Radfahrer, der von Kapstadt nach England unterwegs ist. Wir tauschen uns über Reiserouten aus und ahnen, dass der weniger beschwerliche Weg zurück über die 12 km führt, die wir gerne hinter uns gewähnt hätten.

8.7.
Ja, auch ich möchte die Sanddünen sehen und mir den Traum, einmal Sandwüste zu erleben, erfüllen.  Die 65 km bis Sossusvlei (auf Asphalt!!) darf man nicht mit Zweirad bestreiten und im „Park“ campen auch nicht. Also mache ich mich zu Fuß mit dem restlichen Proviant auf, den wir noch haben, in der Hoffnung von einem der Autos mitgenommen zu werden. Nach einer Stunde (ich bin spät dran – die meisten Leute fahren 5:30 Uhr rein und ich breche erst 7:30 Uhr auf), nimmt mich das 2. Auto mit, das ich treffe. Das Ehepaar aus Südafrika schenkt mir ein Lunchpaket, worüber ich mich echt freue. Gleichzeitig frage ich mich, ob ich so bedürftig aussehe.
Ich erklimme die höchste Düne und mache sie durch mein Getrampel ein wenig kleiner, renne die Steilseite hinunter und nehme die skurrile Totbaumlandschaft in mich auf. Erschöpft würde ich am liebsten mein Lager aufschlagen, ein Feuerchen machen und ne Woche hier draußen leben.
Die Wüste lebt: entdecke Käfer und Ameisen in blau, gelb, schwarz, weiß, gemustert…

9.7.
Kampftag.
Mit neuem Proviant für die nächsten 6 Tage begeben wir uns auf die schlechtesten 12 km, die wir bisher gefahren sind, dazu heftiger Gegenwind, der uns den Sand um die Ohren und in die Augen weht. Wir brauchen 3 Stunden. Zwei mal verklemmt sich Michaels Kette – ich versuche es durch Einstellen der Gangschaltung zu verhindern. Ein Gepardenjunges flüchtet vor uns her, völlig erschöpft bleibt es liegen und wir denken, es hat sich in etwas verfangen. Wie wir noch grübeln, ob und wie wir es befreien können, läuft es weiter und gibt uns schließlich die Chance, es zu überholen und vor uns Ruhe zu finden.
38 km machen wir, die letzten 5-6 mit gelöster Zahnkranzkassette bei Michael, der einen Gang findet, in dem er noch irgendwie treten kann. Es wird dunkel. Ich fahre mit Stirnlampe. Als wir im Camp ankommen, haben wir Glück, dass ein Gast nicht gekommen ist und wir bleiben dürfen. Der Rezeptionist ist sehr freundlich und verständnisvoll, dass wir im Dunkeln nirgends anders mehr hin fahren können.

10.7.
Versuch Michaels Rad zu reparieren, im Wissen, das passende Werkzeug nicht dabei zu haben. Suchen die Kugeln der Lager, die uns beim Rad rausnehmen entgegen purzeln. In ca. 50 m Entfernung läuft eine Giraffe vorbei. Wir können eine Nacht verlängern. Bauen das Rad notdürftig zusammen, in der Hoffnung so wenigstens bis zum nächsten Camp zu kommen. Etliche der Lagerkugeln müssen unterwegs bereits verloren gegangen sein.

11.7.
Alle 2-5 km löst sich die Kassette erneut. Immer wieder befestigen wir sie, so gut es geht. Ich nutze Draht als improvisiertes Werkzeug. Als die Kassette schließlich auch noch auseinander fällt, schickt mich Michael vor und schiebt/fährt wie es geht. Im Camp angekommen, kriege ich erst mal einen Kaffee, ein Pickup wird losgeschickt, um Michael abzuholen und wir können bleiben. Wir genießen heiße Dusche, köstliches und reiches Abendessen und tanzen eine Runde Polka oder so. Uns gehts gut!

Käfer in der Wüste

Käfer in der Wüste

6 Comments

  1. O nein, o nein, o nein!!! Dabei gibt es doch auch in Deutschland bunte Käfer und Kugellagerkugeln. Frohe Weiterreise mit weniger Pannen.
    Ihr seid einsame Spitze.
    Die Klingenthaler Eltern.

  2. die Cous-ab-ine 14/07/2016 um 19:19

    ich freue mich am lebenszeichen aus der ferne, tolle fotos, lese mit staunen und bin eigentlich ganz froh, jetzt nicht immerzu am rad flicken zu müssen. hab dieses meines gerade für eine woche radeln im meckpom im september überholen lassen. ja, ja – im alter wird man ruhiger. :)))

    herzliche grüße und weiterhin schöne abenteuer. bleib(t) behütet!

    • Viel Spaß und sonniges Wetter!

      Stelle durch die Radlerei in verschiedenen Ländern fest, dass Deutschland schon ein echt schönes Radreiseland ist. Wir haben wunderbare Radwege und ein weit verzweigtes Netz selbiger. Und Landschaftsvielfalt auch…

  3. Wir haben Silikon bekommen, damit sich die Gewinde weniger leicht lösen und haben zwei pannenfreie Tage hinter uns!! 🙂
    Ab heute Asphalt und noch etwa 125 km bis zum Fahrradladen…

  4. Gratulation zu Heldenmut und Geduld!
    Für die nächste Tour schenke ich Dir und Michael einen Satz MaratonPlus-Mäntel.
    Und für alle Felgen >20.000km Ersatz. Felgenriss ist echt Mist.
    Ansonsten bin ich aber auch neidisch…

    • Oh!
      Wow – Danke!! 🙂
      Michael meint mit halb gequältem Lächeln: „Also doch Skandinavien – Sibierien?“ (Träumereien meinerseits – Kältehorrorvorstellung für ihn, der weiter um die Welt segeln möchte, über einen warmen Pazifik…)

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