Namibia – Fortsetzung

Wüstenfahrzeuge

 

zwischen Straße und Bahndamm

zwischen Straße und Bahndamm

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alte Nationalhymne

Oryxantilope

Oryxantilope

gebrochenes Teil im Antrieb

gebrochenes Teil im Antrieb

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ungetarnte Tarnheuschrecke

deformierte Improvisationsmuttern nach 115 km Dauerbelastung

neue Nationalhymne

neue Nationalhymne

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schmale Nationalstraßen

 

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Fishrivercanyon

Pavianspuren

Pavianspuren

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Wüstenstraße

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Tobias aus D reist in diesem Fahrzeug durch Afrika und vermietet seinen Beifahrersitz an Leute, die ihn zeitweise begleiten wollen

Stroh- und Wellblechsiedlung

Stroh- und Wellblechsiedlung

Weinanbau am Oranjeriver, dahinter Wüste

Weinanbau am Oranjeriver, dahinter Wüste



 

12.7.
Wir nehmen Michaels Zahnkranzkassette auseinander, reinigen sie und setzen sie wieder zusammen. Fragen den Manager der Lodge, ob er Locktight für uns hat, damit die Gewinde sich nicht wieder selbst lösen.
Lassen uns die lodgeeigenen Wildkatzen zeigen und erklären, dass sich Geparde zähmen lassen, Leoparden nicht.

13.7.
Wir bekommen kein Locktight, aber immerhin Silikon, das wir in die Gewinde streichen und sie bestmöglich fest ziehen.
Außerdem montieren wir das Stahlvierkant als neuen Ständer an meinem Rad. Er hält, wenn auch nicht besser als der alte. Vollbeladen bleibt es ein Balanceakt, das Rad am Kippen zu hindern.
Abends kommen wir mit Jan ins Gespräch, der in den 70er Jahren im Angolakrieg war und nie wieder in einem Krieg kämpfen will, der nicht sein eigener ist… (Später in Südafrika treffen wir einen Farmer, der ebenfalls in diesem Krieg war und darauf schimpft. Zu unserem Erstaunen sagt er aber, dass er wieder gehen würde und sich als Soldat sieht. Er führt uns zu einer Anhöhe, auf der sich 1902 die Buren im Schutz einer Felsgruppe gegen die Engländer zur Wehr setzten. Ihre Namen hatten sie in die Felsen geritzt, darunter auch der seines Großvaters.)

14.7.
Wir machen eine ca. 18 km lange Probefahrt – es hält soweit alles – und schrecken unterwegs eine Hyäne auf.

15.7.
Wir fahren weiter und erhalten eine extrem gastfreundliche Rechnung – Danke Hammersteinlodge!!
Wir schaffen es bis hinter den Pass, den wir diesmal hoch müssen und ein Stück weit die Fahrräder gemeinsam eins nach dem andern schieben. Die wechselnden Landschaften sind wieder mal gigantisch schön. Wir sehen Erdhörnchen und hören Paviane.
Keine Panne!

16.7.
Wieder keine Panne!
Wir fahren durch Savannenlandschaft auf gut zu befahrender Schotterstraße bis Maltahöhe. Ab morgen Asphalt.

17.7.
Michael hat sich auf dem Backpackers-Gelände einen Platten eingefangen. Wenige km hinter Ortsausgang tritt er ins Leere. Eines der zwei „Widerhaken-Teile“, die den Antrieb in der einen Richtung und den Freilauf in anderer Richtung gewähren ist gebrochen. Ich tausche beide Teile gegen zwei Muttern ähnlicher Größe. Dadurch ist zwar der Freilauf blockiert, aber wir können erst mal weiter fahren. Trotz der zeitraubenden Pannen schaffen wir dank Asphaltstraße noch 43 km und finden in einer Kuhle einen sichtgeschützen Lagerplatz. Michael baut einen stattlichen Grillofen und da das umliegende Holz so trocken ist, gibt es kaum Rauch, der uns „verraten“ könnte.

18.7.
71 km bis Mariental. Während unserer Mittagspause hält ein Paar aus Südafrika an. Sie unterhalten sich mit uns, schenken uns Nüsse, Trockenfrüchte und kalte Energy-Drinks und laden uns ein, auf unserer Route bei ihnen vorbei zu schauen – sie sind in 3 Wochen wieder zu Hause. Diese Art Begegnungen tun einfach gut!
Bevor wir den ganzjährig wasserführenden Fluss „Fish“ überqueren, sehen wir ein totes Pferd mit offener Seite und wenig später einen toten Pavian mit gefletschten Zähnen am Straßenrand liegen, Reste der Blutlachen auf dem Asphalt. Da waren die Autos stärker…

19.7.
In einem der Geschäfte bekommt Michael tatsächlich eine neue Zahnkranzkassette! Der Wechsel ist ohne Spezialwerkzeug nicht ganz einfach, aber gelingt schließlich. Die misbräuchlich eingesetzten Muttern sind deformiert und wir sind froh, dass sie bis hierher ihren Zweck erfüllt haben. Ein Mitarbeiter setzt sich tatkräftig für uns ein. Sein Chef ärgert sich daraufhin, dass er so viel Zeit für uns „verbraucht“. Michael versichert ihm, dass er für die Arbeitszeit bezahlen wird. Als er sich beim Zahlen dann nach dem Stundentarif erkundigt, erahnen wir, dass ein Arbeiter hier nicht mehr als 2,- Euro pro Stunde verdient!
Das Rad fährt, aber die seit langem nervtötenden Knirschgeräusche sind immer noch da. Einige Ursachen können wir ausschließen. Ein Verdacht sind die Tretlager, die wir allerdings nicht geöffnet bekommen. Wir erhoffen uns in Keetmanshoop Hilfe und erkundigen uns über Bahntickets und die Möglichkeit zur Fahrradmitnahme. Wir sind neugierig, da uns bislang „Weiße“ vom Zug fahren abraten, „Schwarze“ uns aber gern und offen Auskunft geben und es als nichts Ungewöhnliches zu empfinden scheinen, dieses Transportmittel zu nutzen. Fast mag man den Anschein bekommen, als empfänden sie es als Ehre, wenn Touristen den Zug nehmen. Einen Polizisten, den wir nach dem Weg zum Bahnbüro fragen, weist uns darauf hin, dass in Namibia Helmpflicht für Radfahrer besteht und wir uns welche kaufen sollen. Es reiche aber später, jetzt sollten wir uns ranhalten, um noch rechtzeitig unsere Tickets zu bekommen 🙂 Am Bahnhof erfahren wir, dass es angeblich nur einen Container gibt, der je nachdem wer zuerst am Morgen kommt und etwas transportieren lässt, entweder nach Keetmanshoop oder Windhoek geschickt wird.

20.7.
7 Uhr fahren wir zum Bahnhof, um den Container für unsere Fahrtrichtung zu reservieren. Es gibt zwei Container, einen für jede Richtung. Um die Tickets zu kaufen, sollen wir 14 Uhr vorbei kommen. Nein, der Zug fährt nicht 13:20 Uhr, erst 2 Uhr nachts. Aber wir können die Räder in einem Hinterraum stehen lassen und solange in die Stadt gehen. Als wir am Nachmittag unsere Räder und Taschen verstaut wissen, wird uns auch der Warteraum aufgeschlossen. Nach einigem Abwägen der Sicherheitslage und zu erwartenden Kälte (gegen 17 Uhr wirds dunkel), entschließen wir uns, doch noch mal ein Zimmer zu nehmen. Wie gut! Die Nacht ist tatsächlich kalt und der Zug später auch…

21.7.
Eine Zugfahrt, die ist lustig… Haha.
Beim Einsteigen werden wir mit großen Augen angeschaut: Ihr habt keine Decken dabei? Oh-oh, wir ahnen es. Das Abteil ist kalt, es zieht rein und wir versuchen uns gegenseitig zu wärmen. Wir sind die Einzigen im Businessabteil, das uns so warm empfohlen wurde. Der Vorteil besteht in etwas mehr Beinfreiheit. Gegen Ende der Fahrt stellen wir fest, dass es im Economyabteil eine Heizung gibt. Wir ziehen um und frieren etwas weniger.
In Keetmanshoop gibt es zwar einen Fahrradladen, aber keine Werkstatt. So kann uns hier auch nicht weiter geholfen werden. Immerhin bekomme ich für meine Vorderradlager passende Kugeln. Die restlichen Teile lasse ich mir aus Deutschland nach Kapstadt schicken, in der Hoffnung, dass mein Rad solange durchhält und die Teile rechtzeitig ankommen.
Wir versorgen uns mit Vorräten für die nächste Woche, in der es wieder auf einsamere Wege geht.

22.7.
Wir fahren bis zum Naute Dam, einem Stausee. So viel Wasser auf einmal in diesem Land wirkt auf uns schon fast unwirklich. Im Abendrot kehren Schwärme von Entenvögeln von ihrem Tagesausflug zurück. Zwischen den Felsen tauchen etliche Klippschliefer auf.

23.7.
Früh fliegen die Enten wieder aus, die Klippschliefer beobachten uns neugierig und tun so, als ob nichts wäre, wenn sie sich dabei ertappt fühlen, wie sie sich an Michaels ausgestreute Haferflocken ran pirschen. Zu fressen trauen sie sich nicht. Vielleicht schmeckts ihnen aber auch nicht.
Wir zelten in einem relativ windgeschützten Graben zwischen Straße und Bahndamm. Von Ferne beobachtet uns „unauffällig“ ein Farmer, der dann weiter fährt. Es kommt niemand vorbei. Zur Sicherheit verwischen wir noch unsere Spuren und freuen uns sonst an unserem stattlichen Feuer in noch stattlicherem Steinofen, den wir so hoch bauen, dass der Wind keine Chance hat, die Glut fort zu tragen.

24.7.
Reichlich 50 km bis zum nächstgelegenen Camp, um zum Fishrivercanyon zu gelangen. Unterwegs kehren wir im Roadhouse ein, essen zu viel und quälen uns mit Seitenstechen vorwärts.

25.7.
Ausflug zum Fishrivercanyon. Als wir vor dem Einstieg zum Wanderweg stehen, überkommt uns etwas Wehmut, dass wir die 5-Tages-Wanderung durch den Canyon nicht machen dürfen. Zur Genehmigung muss man min. zu dritt sein.

26.7.
Etwa 40 km auf kurvig-hügelig-holprigen Sandstraßen durch einen landschaftlich ansprechenden Naturpark. Zum Genießen kommen wir nicht groß, da wir hier nicht campen dürfen und es vorm dunkel werden noch nach draußen schaffen wollen. Kaum aus dem Naturpark raus gibt es keine Deckung mehr. Wir zelten schließlich relativ windgeschützt im Straßengraben.

27.7.
Wind, Höhenprofil und relativ guter Fahruntergrund sind mit uns und wir schaffen die 76 km durch Stein-, Kiesel- und Sandwüste. In Aussenkehr, einer Farm, die außer Weinfeldern aus einer Stroh- und Wellblechhüttensiedlung und einem Spar besteht, finden wir etwas außerhalb in der einzigen Lodge der Umgebung eine Bleibe. Hier treffen wir auch Tobias wieder, der uns in der Wüste überholte. Er dokumentiert seine Reise über youtube-Videos, u.a. dieses, auf dem auch wir kurz zu sehen sind: (neben diesem „Highlight“ finde ich es eine nette Eindrucks-Ergänzung):

Im Spar, wo wir uns neu eindecken, schmerzen mich die Blicke der Einheimischen, die in ihren Körben kaum mehr als Reis und Brot haben und sich Köstlichkeiten wie Schokolade nie leisten können.

28.7.
Ruhetag mit reger Nutzung des Internets.

29.7.
Zum Abschied noch einmal Asphaltstraße bis zur Grenz“stadt“ Noordoewer, wo wir in teurer Lodge bei leckerem Abendessen unseren letzten Tag in Namibia ausklingen lassen.

4 Comments

  1. ein Verwandter, der auch Patenkind ist und dich sehr vermisst 07/09/2016 um 10:30

    Im Fish schwimmt ein Fisch und frisst einen Fisch im Fish.

  2. Alles Liebe und Gute zu Deinen Geburtstag.Nun feierst Du schon das 2.Mal fernab der Heimat.Komm gesund wieder- vielleicht auch mal wieder zu uns, an das Theater, wir denken oft an Dich. Uschi !

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