Südafrika

Agame

Agame

Südafrika begrüßt uns mit 36 km ununterbrochenem bergauf und Gegenwind. Zur Mittagspause schmeißt Michael sein Rad hin und kämpft sich danach mit schwindenden Kräften bis zur nächsten Stadt mit Unterkunft. Ich bange darum, dass ihn die Motivation zum Rad fahren noch ganz verlässt, was glücklicher weise nicht eintritt. Auf der anderen Seite des Berges wird es mit jedem Höhenmeter spürbar kälter. Ja, hier ist noch Winter. Am nächsten Tag regnet es, wir bleiben in den Betten und trocknen unsere über Nacht nass gebliebenen Sachen mittels Mikrowelle.

Die nächsten Tage werden besser und Wetter und Temperaturen sind sehr radelfreundlich. Die Nächte sind kalt und wir nutzen vermehrt feste Unterkünfte.

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unterwegs

Joakim und Roman aus Belgien, auf dem Weg von Kapstadt nach Kairo

Joakim und Roman aus Belgien, auf dem Weg von Kapstadt nach Kairo

Dass die Apartheid noch gegenwärtig ist, zeigt sich uns immer wieder. So erfahren wir in einem Ort  von unseren Gastgebern, dass in der einzigen Kirche, die es hier gibt, nur weiße Besucher willkommen sind. In einer anderen Stadt gehen wir in ein Restaurant, in dem die Zeit stehen geblieben scheint. Es wirkt fast skurril. Die Gäste ausschließlich weißer Hautfarbe, das Bedienpersonal dunkelhäutig, an den Wänden alte Fotos von u.a. von Polizeieinheiten oder eines Box(welt?)meisters bei den Olympischen Spielen 1936 und ein Foto von ihm aus den 50er Jahren mit Hitlerfrisur und -bärtchen. Es hat schon fast Museumscharakter und einen Bücherladen gibt es auch. Michael schenkt mir eine deutsche Ausgabe von „Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“, das wir uns mit unseren frischen Namibiaeindrücken doppelt interessiert vorlesen.

Im Namaqua Nationalpark

Im Namaqua Nationalpark

Blümsche

Blümsche

Durch den späten Regen in diesem Jahr beginnt die Blumensaison im Namaqualand erst jetzt – genau richtig für uns – wir staunen, wie sich Halbwüste in ein buntes Meer verwandelt. Mein Herz juchzt und ich muss immer wieder anhalten, um die vielen verschiedenen Blumen von nahem zu betrachten. Viele davon wachsen nur hier. Ich freue mich zusätzlich nun doch noch einen Frühling zu erleben, in einem Jahr, das für mich fast ausschließlich aus Sommer bestand. Ich vermisse die Jahreszeiten, obgleich mir Frostbeule der viele Sommer schon gefallen hat.

Diese Felsgruppe diente im Burenkrieg gegen die Engländer etwa 100 Buren als Festung

Diese Felsgruppe diente im Burenkrieg gegen die Engländer etwa 100 Buren als Festung

Küstenstraße

Küstenweg

eine unserer Kochstellen

eine unserer Kochstellen

Wir erleben wunderbare Gastfreundschaft, immer wieder. Als Michael sechs Speichen auf einmal brechen und das vermehrt auf der Seite des Hinterrades, wo man nicht ohne weiteres rankommt, bleibt nur Schieben bis zur nächsten Ortschaft. Die Selbstversorgerunterkunft von Marzaan und Rian ist ausgebucht, hauptsächlich Arbeiter, die zum Teil schon fast zur Familie gehören. Wir werden herzlich mit hineingenommen beim abendlichen Grillen und dürfen im Garten zelten. Am nächsten Tag bringen sie uns in die Stadt, wo Michaels Rad neu eingespeicht wird und ich mir neue Pedale und Sattelstange kaufe, da bei ersteren die Lager hin waren und bei zweiterem der Sattel nicht mehr richtig auf Position gehalten werden konnte. Beratung, Service und Freundlichkeit sind großartig. Am nächsten Tag fahren wir weiter. Geld wollen unsere Gastgeber nicht. „Gebt es weiter!“, sagen sie und winken uns hinterher.

Rian and Marzaan set us an example in paying forward - THANKS!!! :)

Rian and Marzaan set us an example in paying forward – THANKS!!! 🙂

Zwei Tagesetappen vor Kapstadt werde ich krank. Wir wechseln von Zelt auf feste Unterkunft. Zunächst erweist es sich als schwierig etwas mit Selbstversorgermöglichkeit und nicht ausgebucht zu finden. Zwei nette, aufgeweckte, rüstige Jungrentner, die Surfschüler suchen und uns auf unsere Packesel ansprechen, empfehlen uns an Freunde, kommen gleich mit vorbei und es wird sogar mit dem Preis runter gegangen. Nette, fürsorgliche Gastgeber, die eine Surfschule betreiben und mir einen Arzttermin verschaffen. Ich bekomme einen bunten Pillencocktail verschrieben. Nach einer Woche beschließen wir ein Auto zu mieten und verbringen etliche Zeit in Kapstadt.

Schöner Jazzabend in Kapstadt mit lokal erfolgreicher Band

Schöner Jazzabend in Kapstadt mit lokal erfolgreicher Band

einer der Kellner studiert Operngesang und sang ein paar Lieder - war der Hammer!

einer der Kellner studiert Operngesang und sang ein paar Lieder – war der Hammer!

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Tafelber von der Rückseite

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in Kirstenbosch, Botanischer Garten

Klippschliefer auf dem Tafelberg

Klippschliefer auf dem Tafelberg

Neben Jazzabend in der Crypta der Kathedrale mit Restaurant – lecker für Gaumen und Ohren! machen wir Museumsbesuche, besichtigen den Hafen mit Marina, suchen die deutsche Buchhandlung (auf) und kaufen ein weiteres Buch zum gegenseitigen Vorlesen und bekommen auf dem Heimweg auf ein leises „Shalom“ von Michael ein „Shabbat Shalom“ von jüdischen Sicherheitskräften vor der Synagoge zurück, gehen im Botanischen Garten spazieren und besteigen den Tafelberg. Mehr als das freuen mich vor allem die Möglichkeiten alte Freunde und Bekannte nach langer Zeit wieder zu sehen. War so gut, die Zeit mit jedem von euch – Danke!!
Durch den längeren Aufenthalt kann ich nach einiger Rennerei und Telefoniererei schließlich doch noch meine aus Deutschland geschickten Ersatzteile in Händen halten!! Danke Rosa für all deine Hilfe! Vorderrad rollt besser und Licht geht auch wieder!

Was so good seeing you again - Thanks for everything!!

Was so good seeing you again – Thanks for everything!! (the ointment helps Michael with his chest and also wrists)

als wir auf Auto umsattelten

als wir auf Auto umsattelten

Da uns die Zeit knapp wird, steigen wir erneut auf Auto um und besuchen auf dem Weg nach Durban weitere Bekannte von mir, besichtigen die Cango Höhlen, die mir den ein und anderen sakralen Moment bescheren – so eine Schönheit! – und machen eine Führung in für große, breite und unbewegliche Menschen etwas schwerer zugängliche Höhlenteile mit. Weniger sakral zu deuten, kann man da eine Neu- oder auch Wiedergeburt erleben, sich durch eine Engstelle zwängend, kopfüber auf dem Bauch nach unten rutschend…

Zebras auf einer Farm

Zebras auf einer Farm

In den Cango Caves

In den Cango Caves

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Affe

Mit der Absicht durchs Baviaanskloof Naturreservat zu fahren, nehmen wir eine Tagesetappe unbefestigte Straße in Angriff und müssen am Eingang schließlich umkehren, da die Wege zu schlecht würden und wir es mit diesem Auto nicht schaffen werden. Naja, nicht so schlimm: Landschaft und Begegnungen mit Kudus und Affen und eine Nacht auf einer Farm mit nettem Farmer haben sich gelohnt.

Wanderung da hoch, ca. 3.100m üNN

Wanderung da hoch, ca. 3.100m üNN

Tugela Wasserfall, 2. höchster der Welt

Tugela Wasserfall, 2. höchster der Welt

in den Drakensbergen

in den Drakensbergen

auch in den Drakensbergen

auch in den Drakensbergen

Schnee auf den Drakensbergen

Schnee auf den Drakensbergen

Weiter gehts in die Drakensberge zum Wandern, z.T. bei Nieselwetter und schließlich am Abfahrtstag doch noch der versprochene Ausblick auf die Berge von unserer Unterkunft aus. Hochgebirge sind wirklich was Schönes!!

Elizabeth, one of the most precious people in my life

Elizabeth, one of the most precious people in my life

bei Elizabeths Familie

Wir sind in Durban bei Elizabeth und ihrer Familie angekommen. Für mich persönlich eines der Ziele meiner Reise. Ich freu mich hier zu sein, miteinander zu scherzen, Schwarz und Weiß vereint zu feiern und die gemeinsame Zeit zu genießen. Während Michael am Carport baut, darf ich den neuen Backofen einweihen, zur allgemeinen Freude, dass das Grundstück nach über einem Jahr und zwei Tage vor unserer Ankunft, Strom hat!

Michael beim Carportbau

Michael beim Carportbau

 

der 3. Ozean dieses Jahr: der Indik

der 3. Ozean dieses Jahr: der Indik

 

nach geschaffter Arbeit

nach geschaffter Arbeit

Der Carport ist inzwischen fertig und ich von einem Ausflug und Fahreinsatz in die Nähe von Pretoria zurück. Die Autos, die ich hier fahren darf, fahren nur mit Gebet (und von mechanischer Seite betrachtet schon besser als noch vor einem Jahr)… Nachdem ich mich mit der „Old Lady“ an einem Hang festfahre, die sich immer wieder abstellt und feine Manöver nahezu unmöglich macht, packt mich die Wut, ich räume bzw. schleudere den Schotter unter ihr weg und komme schließlich mit Michaels Hilfe, der mir Anweisung zum manövrieren gibt und meine Emotionen nachvollziehen kann, wieder los. Elizabeth zu Hause lacht und mit ihrem unbestechlichen Lächeln sagt sie mir: Schwester, du scheinst manchmal zu vergessen, dass du in Afrika bist. Um hier zu überleben musst du nach der Freude suchen, lächeln und beten, sonst verzweifelst du. Gründe zum Frust gibts hier überall. Keiner anderen Person wie ihr nehme ich das ab, deren Lebensgeschichte ich ein wenig kenne und die genau diese Strategie fährt und damit durchkommt. Michael fliegt nun nach Malaysia, um sich vom Paradies für Segler zu überzeugen, bevor er erneut nach Brasilien einreisen kann, um seine Sandine für die weitere Weltumsegelung flott zu machen. Crew braucht er ab Januar, wenn es weiter nach Französisch Guyana, Karibik gehen soll. Falls es Interessenten gibt: www.yardstick.ch

Für mich gehts dann bald wieder nach Deutschland, wo ich mich auf viele Wiedersehen freue.

2 Comments

  1. Liebe Katha, nun ist sie also zuende, diese wundervolle, unvergessliche Reise mit dir. Erstaunlich, wie das viele Leiden im Sattel schon so in den Hintergrund getreten ist und Platz macht für die grossen Momente von Glück, aber auch Stolz über das Erreichte. Vieles Schöne war nur per Rad zu erleben. Viele neue Erfahrungen nur so zu erfahren. Deine (beinahe) unerschöpfliche Geduld,Leidensfähigkeit und Ausdauer habe ich des öfteren bewundert.Und darüber hinaus vieles andere von dir lernen können. Es war ein wunderbares Abenteuer. DANKE, dass ich dich dabei begleiten durfte.

    • Danke für DEINE Geduld und Liebe in so vielem!! Und dass du dich tatsächlich aufs Radeln eingelassen hast – meinen Respekt! Freut mich, dass ich es dir nicht verderben konnte und du sogar Gefallen dran findest.

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